Jahreshauptversammlung 2020 in Düsseldorf

„Es ist heute wichtiger denn je, dass es
qualitativen Journalismus und dass es Verlage gibt!“

Ministerpräsident Armin Laschet spricht auf Jahrestagung der NRW-Zeitungsverlage bei der Rheinischen Post in Düsseldorf vor 50 Vertreterinnen und Vertretern der Branche.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Foto: Rheinische Post / Andreas Krebs

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat dabei besonders die
Funktion von seriösem Journalismus der Tageszeitungen in der Corona-Pandemie angesichts zunehmender Desinformation aus unzuverlässigen
Quellen betont: „Qualitätsjournalismus ist heute wichtiger denn je. Wir haben eine
Informationsflut ohne Ende und trotzdem ist es heute wichtig, dass es qualitativen
Journalismus, dass es Verlage und dass es dezentrale Strukturen gibt, wo
Menschen Informationen erhalten“, sagte Laschet. Der Ministerpräsident sieht
zudem die Bedeutung von lokalen Medien in der Krise gestärkt.

Der Vorsitzende des Verbandes, Christian DuMont Schütte, blickte in seiner Rede
zurück auf die vergangenen Krisenmonate und hob dabei ebenfalls die Funktion
und Aufgabe unabhängiger Presse hervor: „In Zeiten größter Verunsicherung ist
es wichtig, dass sich Menschen aus verlässlichen, unabhängigen Quellen über
die Lage in ihren Lebensräumen informieren können.“ Befragungen zeigen, dass
die gedruckten und digitalen Zeitungsangebote wie kein anderes Medium gerade
in der Krise dieses Bedürfnis der Menschen nach Einordnung und
Berichterstattung erfüllt haben.

Erfreulich sei, dass nicht nur mehr Menschen in der Krise die digitalen Angebote
der Zeitung nutzen, sondern auch mehr Nutzer bereit sind, für digitale Angebote
der Zeitungen zu zahlen. Paid-Content Bestellungen haben sich im vergangenen
Quartal in zahlreichen Verlagen sehr dynamisch entwickelt, wie eine
Verbandsumfrage zeigt.

Angesichts dieser Entwicklungen betonte DuMont Schütte: „Die Branche befindet
sich mit ihren Investitionen in starke digitale journalistische Marken und Angebote
auf dem richtigen Weg. Die Krise hat uns einen Schub gegeben, dennoch wird
der Weg noch lang sein, bis digitale Erlöse die Rückgänge in Print
kompensieren.“

Zugleich wies der Verbandsvorsitzende darauf hin, dass die NRW-Verlage infolge
der Krise erhebliche Werbeumsatzeinbußen verkraften müssen – während des
Lockdowns um bis zu 60 Prozent. Auch heute ist man noch weit entfernt von
Normalität im Werbemarkt. Daher ist es wichtiger denn je, dass die Politik
geeignete Rahmenbedingungen schafft, für eine auch in Zukunft starke
unabhängige Presse.

Mit Blick auf explosionsartig gestiegene Kosten in der Zeitungszustellung mahnte
DuMont Schütte, dass in den kommenden Jahren viele Regionen in Deutschland
nicht mehr wirtschaftlich mit Zeitungen beliefert werden können. Es drohen weiße
Flecken und damit Schaden für Medienvielfalt und Informationsversorgung
besonders im ländlichen Raum. Daher seien Bund und Länder gefordert,
Maßnahmen zur Sicherung dieser systemrelevanten Infrastruktur zu ergreifen.

DuMont Schütte appellierte an die Bundespolitik, nun zügig ein effektives
Leistungsschutzrecht für Presseverlage in Deutschland einzuführen, nachdem die
EU hierfür im vergangenen Jahr den Weg frei gemacht hatte. Ebenso müsse
Politik die Marktmacht von Plattformgiganten wie Google und Facebook
beschränken, um Medienvielfalt zu erhalten.


Fotos: Rheinische Post/Andreas Krebs